41. Schwangerschaftswoche

05.05. - 11.05.2001

05.05.01 06.05.01 07.05.01 08.05.01 09.05.01 10.05.01 11.05.01

Letzte Änderung: 13 Mai 2001, 05:46 Uhr

Hinweis in eigener Sache

In den nächsten Tagen/Wochen wäre es ja nicht wirklich unwahrscheinlich, wenn sich mein Untermieter  (sprich dieser Klein-Jahns, oder auch in Zukunft Wolfgang Horst Jahns genannt) zum Auszug aus mir entschließt. Ich hoffe mal, das ich im Falle eines Falles noch die Zeit finden werde, hier auf den Seiten kurz zu vermerken, dass wir auf dem Weg zum Umzugsunternehmer (sprich Geburtsklinik) sind.

Sollte ich das nicht schaffen, merkt man das spätestens daran, wenn ich hier auf den Seiten seit gut 2 Tagen keine Veränderung mehr vorgenommen habe. Zum Glück gibt es dafür ja oben das Feld "Letzte Änderung" :-)

 

 

05.05.2001

Wolfgang hat sich gestern beim Abschlagen der Fliesen noch "verkröppt" - sprich verletzt am Unterarm. Er hat da nun einen ziemlich tiefen Kratzer. Stefan muss wohl ziemlich geschockt gewesen sein, als er diesen Kratzer mit einer Nagelbürste ausgeschrubbt hat. Das ist eine Angewohnheit aus dem Bergbau bei Wolfgang. Wenn sich Bergleute unter Tage verletzen, dann ist in der Wunde natürlich auch Kohlestaub. Wenn dieser Kohlestaub nicht aus der offenen Wunde gründlich entfernt wird, bleiben schwarze bzw. graue Ränder zurück, ähnlich wie bei einer Tätowierung.

Bin mal gespannt, wie heftig heute Wolfgangs Muskelkater sein wird ;-)

 

Ich weiß schon, dass heute eigentlich der errechnete Entbindungstermin für den Kleinen ist. Aber Babys halten sich nun einmal oft nicht an so einen Liefertermin, wie man das von einem Auto gewohnt ist.

Das wird wohl auch noch Göttergatte 1.0 lernen müssen ;-) 

 

Auf jeden Fall habe ich erst einmal beschlossen, dass ich mich noch nicht weiter mit dem Thema Wehen/Aua/Geburt beschäftigen möchte. 

Trotzdem habe ich mir gestern in der Apotheke mal ein Pülleken (Fläschchen) Rizinusöls besorgt, wer weiß schon ob ich vielleicht in die Verlegenheit kommen in den nächsten Tagen einen Wehencocktail zu mixen. 

 

War heute wieder auf dem Castroper Markt einkaufen, wie immer Samstags eigentlich. Obwohl ich heute etwas später aus dem Bett gekrabbelt bin, war irgendwie gar nicht so viel dort los. Anschließend noch ein einige Kleinigkeiten bei PLUS eingekauft und wie immer Brötchen geholt.

 

Ach ja - fällt mir gerade noch ein. Als ich gestern bei Andrea war, hatte die so ein wirklich nettes Maßband, womit man eigentlich wohl so längere Wände etc. mit vermessen kann. Ich hab sie dann mal gebeten, dass sie doch mal meinen Bauchumfang messen solle. 

Der Bauchumfang um den Bauchnabel beträgt nun 142 Zentimeter, wenn ich also gut 30 cm kleiner wäre, wäre ich nun hoch wie breit ;-)

Ich habe das einfach in die Kategorie "OK - hab ich zur Kenntnis genommen" gepackt und gut isses.

Wieso sollte dieser Wert jetzt auch eine Bedeutung haben? Ich wusste ja auch nicht wie groß mein Bauchumfang vor meiner Schwangerschaft war. Das einzige was ich sagen kann ist, er war deutlich kleiner ;-)

 

Habe eben bei der Hebamme noch mal angerufen und ihr gesagt, dass sich bei mir noch nichts tut soweit. 

 

Man mag mich vielleicht für total bescheuert halten (bitte jetzt keine laute Antwort ;-) ), aber ich musste heute einfach die gesamte Einfahrt und den Bürgersteig bei uns mit dem Schlauch abspritzen. Das ganze hat relativ lange gedauert, weil an der linken Seite teilweise sehr viel Erdreich war. Nach einer Zeit kam dann auch Wolfgang vom Lernen wieder nach Hause und war der festen Überzeugung, dass er nun ausgerechnet dort, wo ich mit dem Wasserschlauch zugange war, mit der Gießkanne Unkrautvernichter in der Einfahrt verteilen muss. 

Anschließend bin ich dann noch einmal mit dem großen Besen um das Haus herum und habe den alten Rasenschnitt, der auf den Wegen noch lag seit 2 Wochen zusammen gekehrt.

Die beiden riesigen Haufen Rasenschnitt, die Wolfgang vorne hat liegen lassen, bekam ich beim besten Willen nicht zusammen gekehrt, weil der Schnitt, wie schon mehrfach voraus gesagt, total zusammen pappte und feucht war und schon anfängt zu modern :-((

 

Nun sitze ich hier und habe ein schweinisches Ziehen im Rücken.

Habe mich dann relativ früh hin gelegt und bin dann irgendwann nur noch eingeschlafen. Jetzt fühle ich mich, als hätte einen mordsmäßigen Muskelkater.

 

 

06.05.2001 (ET + 1)

Bin nachts gegen 1:30 aufgewacht, fühle mich immer noch zerschlagen und werd nu erst mal wieder ein wenig lesen gehen ...

 

Meine Patschehände sind morgens nur noch steif. Erstaunlicherweise kann man damit aber noch tippen, zumindest so einigermaßen. Es schmerzt eigentlich nur bei so obskuren Dingen wie "Mit dem kleinen Finger der linken Hand wollen wir  mal kurz die Umschaltung auf der Tastatur erwischen, damit am Anfang eines Wortes auch wirklich ein Großbuchstabe ist, wenn er dort hingehört."

 

Mein großer Bruder hat mir gestern extra noch einmal gesagt, dass in der kommenden Woche Urlaub hat. Also wenn das nicht ein Ansporn für sein Patenkind sein sollte? :-)

 

Kurz vor 12 bin ich zusammen mit Wolfgang nach Herdecke gefahren, um dort noch einmal ein CTG schreiben zu lassen. Ich hatte sogar extra an mein Blutdruckmessgerät gedacht und es Wolfgang mit den Worten "Das muss gleich mit rein genommen werden" im Auto gegeben. Das Gerät wurde dann auf der Rücksitzbank geparkt und natürlich später dort vergessen (und auch nicht rein geholt ...).

 

Insgesamt lag ich dann gut 50 Minuten am CTG, die Herztöne lagen zwischen 120 und 160 bpm und von Wehen war mal wieder gar nichts zu sehen. Irgendwann stieg zwar der Wehenschreiber von gewaltigen 20 auf 30 an, aber das lag wohl eher daran, dass ich etwas blöd auf der Pritsche lag. Es gab mal einen Ausschlag bis 40, aber das ist auch nichts, was man nur im Ansatz als Wehe bezeichnen könnte.

Im Urin war eine Spur von Eiweiß zu finden. 

 

Anschließend haben wir uns noch kurz mit der Ärztin unterhalten, wie "wir" denn nun weiter vorgehen werden.

In den nächsten Tagen werde ich also einen über den anderen Tag zu meiner Ärztin zum CTG gehen und wenn sich dann bis zum Wochenende nichts getan haben sollte, werden wir ab Samstag/Sonntag versuchen, die Geburt sanft in die Gänge zu bekommen. Die Ärztin meinte, dass es OK wäre, wenn ich mir daheim einen Wehencocktail mixen würde. 

 

Als ich später wieder daheim war, fiel mir ein, dass ich vergessen hatte zu fragen in welchem Verhältnis ich das mischen solle. Ich habe dann noch einmal in Herdecke angerufen und Dr. Gmeindl am Telefon erwischt. Ich fragte ihn, in welchem Verhältnis und wie oft ich mir denn so einen Wehencocktail mixen könne. Und er fragte mich dann erst einmal, was ich denn so da  habe und als ich meinte "Ja - so Rizinus-Öl und ..." da meinte er "Ah - lassen Sie das lieber mal mit dem Rizinus - das ist doch viel zu heftig und schmeckt zu dem auch noch nicht wirklich prickelnd. Lassen Sie uns das mal mit was homöopathischem versuchen."

Ich bin dann einfach noch einmal nach Herdecke gedüst, und die Hebamme hat mir dann etwas zusammen gemischt (jeweils 10 Tropfen Cimicifuga D2, Caulophyllum thalictroides D4, Pulsatilla D30). Das ganze wurde in etwas Wasser getropft, ca. 0,2 Liter, und das musste ich dann in kleinen Schlucken nach und nach über 1 Stunde verteilt trinken.

Diese Mischung soll ich einmal, maximal zweimal am Tag einnehmen.

Schauen wir also mal.

 

Und wenn alle Stricke reißen, kann man ja immer noch die Keks-Apfel Methode ausprobieren ;-)

Eine Frau kommt zu ihrem Frauenarzt und sagt total verzweifelt »Herr Doktor, ich bin nun schon seit über 2 Wochen über den errechneten Geburtstermin und irgendwie will das alles nicht so losgehen, wie es soll. Dabei hab ich doch schon alles getan, was man nur so machen kann. Ich bin die täglich einmal hoch auf den Turm des Kölner Doms gestiegen und wieder runter, bin Fahrrad gefahren wie ein Weltmeister und hab Jan Ullrich beim Training abgehängt, habe die halbe Bude renoviert und Wehencocktails geschlürft wie andere Leute ihren Morgenkaffee trinken. Aber das Kind will und will nicht aus mir raus.«

Der Arzt überlegt einen kurzen Moment und sagt dann zu der Frau »Dann hilft da wohl nur noch die Keks-Apfel Methode. Sie schieben sich nun die nächsten 4 Tage jeden Morgen erst einen Keks in die Scheide und kurz danach ein Stückchen Apfel. Und am 5. Tag kommen Sie morgens hier in die Klinik und dann schauen wir mal.«

Die Frau schaut ganz verwundert, geht nach Hause und schiebt sich die nächsten Tage also jeweils einen Keks und ein Stück Apfel in die Scheide. Am 5. Tag geht sie in der Klinik, geht in den Kreissaal und der Arzt bittet sie sich hinzulegen. Er schiebt ihr ein Stückchen Apfel in die Scheide und wartet dann ab.

Nach ein paar Minuten erscheint plötzlich der Kopf und es tönt »Hey! Wo bleibt mein Keks?«

 

Nun nach ein paar Stunden erhöhte sich irgendwie der Druck auf den Muttermund, also scheint die Tropfen ja im Prinzip schon mal zu wirken. 

Ich schleiche nur noch durch die Gegend und dieses Gefühl wie Muskelkater ist ständig da. Ich habe ein Gefühl, als hätte ich Durchfall - aber das ist nicht der Fall. Ich throne diverse Male auf unserem Topf und nichts passiert.

 

Nachdem ich eben mal wieder auf Toilette war, musste ich daran denken, dass Männer ja  manchmal sagen "Ich stell mal ne Stange Wasser in die Ecke", wenn sie pinkeln gehen ... Wenn ich zur Zeit etwas vergleichbares sagen müsste, könnte ich immerhin so etwas sagen wie "Ich staple mal ein Schnapsgläschen voll ..."

 

Ach ja, Wolfgang meinte wohl zu meiner SM - sprich zu seiner Mutter, das ihm das Krankenhaus nicht recht wäre. Er hatte wohl den Eindruck, dass man sich nicht genug um mich kümmern würde.

Mir ist nicht wirklich klar, um was man sich bei einem CTG kümmern sollte? 

In so einer Situation würde mir auch nicht die Zusatzversicherung der Bundesknappschaft helfen, die einem im Krankenhaus "Chefarzt Behandlung" zu sichert. Später habe ich dazu auch nichts mehr zu ihm gesagt. Irgendwie hatte ich keine Lust auf eine Diskussion, wieso ich denn nun ausgerechnet in Herdecke entbinden muss und nicht in einer Klinik hier um die Ecke.

Als er heim kam vom Lernen, meinte er zwar etwas von wegen "Man sollte das Kind aber nicht so lange übertragen, das ist gar nicht gut ..." aber darauf wollte ich irgendwie auch nicht weiter eingehen. 

Gottchen, ich bin ja nun noch nicht 3 Wochen über den errechneten Termin und ich will mich durch so etwas auch gar nicht unter Druck setzen lassen.

Der Kleine bekommt bis Ende der Woche Zeit und dann schauen wir weiter. Und bis dahin ist auch noch viel Wasser den Rhein runter ...

 

Manchmal frage ich mich wer hier nervöser ist - ich oder Göttergatte 1.0 :-)

 

 

07.05.2001 (ET + 2)

Dieser Druck auf den Muttermund bzw. auf den Enddarm ist immer noch da, aber so langsam ist das Gefühl nicht mehr so unangenehm, wie noch vor ein paar Stunden.

Mittlerweile ist es fast halb 2 ... Ein Mammut meinte gerade, das sie schlafen geht und ich werd mal mit gehen, wenn auch in ein anderes Wasserbett, das gut 230 KM weiter südlich steht ;-)

 

Irgendwie brauche ich aber noch fast 3 Stunden, bis ich dann eingeschlafen bin. Ich kann kaum liegen und dann hab ich endlich die Kissen, inklusive dem Stillkissen so gestapelt, dass mir nicht gleich Magensäure hoch steigt und ich kann einschlafen.

 

Morgens hab ich dann erst einmal bei der DAG angerufen. Mein Gehalt, das mir mein Arbeitgeber seit Februar schuldet, ist immer noch nicht auf dem Konto und das macht mich nicht wirklich fröhlich. Zumal ich so langsam in die Nähe meines Dispo-Kredits komme :-(

 

Ich habe morgens in der Apotheke angerufen, die hier gleich bei mir in der Nähe ist. Der Apotheker Herr Ophüls ist ein wirklich netter Mensch und hat mir auch schon mal den einen oder anderen guten Tipp gegeben. Ich habe gefragt, ob sie mir die homöopathischen Tropfen besorgen können, falls sie die nicht da haben. Nach 2 Stunden war die zum Abholen bereit. Die Kosten betragen je 20 ml Flasche 14,30 DM - sprich zusammen 42,90 DM.

 

Die Wirkung nach gut einer Stunde ist ähnlich wie gestern - der Druck auf den Muttermund erhöht sich. 

Aber wesentlich mehr passiert irgendwie nicht.

 

Der Kleine hat Schluckauf in mir drin. Das fühlt sich irgendwie total witzig an. Mal schüttelt sich der ganze Bauch dann, so ungefähr als ob man selber Schluckauf hat. Manchmal ist es aber auch wie ein leichtes Bubbern in einem drin.

 

 

08.05.2001 (ET + 3)

Ich habe mich um kurz vor 12 noch einmal in die Badewanne geschmissen und bin nun nach etwas über 1,5 Stunden wieder raus gekrabbelt ;-) 

 

Den neuen Baldacci, Die Verschwörung habe ich mittlerweile dann doch zu Ende gelesen. Er ist alles in allem ganz nett - aber irgendwie nur nett. Es hat mich einfach nicht so richtig mitgerissen.

Habe eben angefangen das Lexikon der populären Ernährungsirrtümer zu lesen. Das scheint zumindest ein sehr interessantes Buch zu sein. Gleich am Anfang stehen 2 nette Zitate: 

»Mir kommt es so vor, als habe die ganze Ernährungsaufklärung in 40 Jahren nur eines erreicht: Die Menschen essen weiterhin, was sie immer gegessen haben. Sie tun es jetzt nur mit schlechtem Gewissen« 

Professor Volker Pudel als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

und

»Es kann als gesichert angesehen werden, und dazu bedarf es keiner Aufklärung: Ernährung ist tödlich! Denn jeder, der sich lange genug ernährt hat, ist bislang gestorben. Wer hingegen aufhört sich zu ernähren, kann zumindest nicht an den Folgen der Ernährung sterben.« 

Professor Harald Förster, Universität Frankfurt

 

Heute geht es dann noch einmal zum CTG zu Frau Nitsche-Wellbrock. Es war wieder etwas Eiweiß im Urin. Die Ärztin bat mich morgen noch mal eine Spende vorbei zu bringen und dabei wirklich darauf zu achten, das es der sogenannte Mittelstrahl-Urin ist. Dazu sollte ich wirklich sicher stellen, das ich die Schamlippen ggf. etwas abspreize und dann das Gefäß in den laufenden Urin halte und wieder rausziehe, bevor er aufhört.

Das CTG zeigt wieder einmal nicht den Hauch einer Wehe. Aber die Herztöne waren laut und deutlich und konnten diesmal auf der rechten Seite eingefangen werden.

 

Anschließend hat Frau Nitsche-Wellbrock noch mal den Muttermund untersucht. Der liegt immer noch arg weit hinten und es lässt sich nur mit wirklichem Drücken die Fingerkuppe hinein legen. Sie hat das mal versucht, um ggf. dem Muttermund zu zeigen, das man auch aufgehen kann. So ähnlich wie man eine klemmende Tür vorsichtig aufdrückt.

 

Am Donnerstag gehe ich dann wieder zum CTG dort hin und dann schauen wir mal, wie es da aussieht.

 

In dem Lexikon der populären Ernährungsirrtümer habe ich einen interessanten Beitrag zum Thema Rohmilch gefunden. Wenn ich irgendwann einmal absolut paranoid werden sollte, würde mir das Lesen dieses Buches wahrscheinlich echt den Appetit verderben.

 

Ach ja - mir fällt gerade noch was ein zum Thema Rizinusöl. Ich sprach heute mit meiner Ärztin noch einmal über das Thema Wehencocktail und sie stimmte Dr. Gmeindl zu. Rizinusöl belastet den Körper sehr stark und wirkt teilweise zu heftig. 

Das Rizinus würde den Körper auch zu sehr auslaugen und belasten.

Sie würde so etwas wirklich nur unter Aufsicht machen. Man müsse dazu zwar nicht gleich ins Krankenhaus, aber es sollte ggf. doch jemand da sein, der einen im Zweifelsfall schnell in selbiges bringen könnte.

 

Sie selber hat damals, bei der Geburt ihrer Tochter, einen Rizinusöl Einlauf von ihrer Hebamme bekommen.

DER wäre dann allerdings auch abgegangen wie "Schmitz Katze". Die Hebamme habe ihr aber auch gesagt, das man das nur in Anwesenheit einer Hebamme machen sollte.

 

Ich habe seit Samstag Verstopfung - und irgendwie hilft gerade gar nichts von meinen gängigen Hausmittelchen, die sonst so geholfen haben.

Darum habe ich gerade mal im Hebammenzimmer in Herdecke angerufen und habe dort nach gefragt, was ich denn so machen könne.

Ich werde mir dann mal Leinsamen einweichen bis morgen und mir morgen noch ein paar Feigen für dort rein besorgen. Kalte Obstsäfte würden auch etwas bringen - gut das ich die Tage bei PLUS diesen netten Apfel Direktsaft geholt habe :-)

 

Und kurzfristig kann ich dann versuchen mir mit meinem Irrigator einen Einlauf verpasse. Sie empfahl das mit ca. 0,5 Liter lauwarmen Wasser zu machen  und im Wasser etwas Kernseife aufzulösen. Damit soll der Stuhlgang halt flutschig werden.

Die Verstopfung kann dadurch kommen, das der Kleine nun schon so weit unten im Becken hängt, dass er halt hinten den Darm etwas abdrückt.

Komisch, das es sie echt verwundert hat, das ich einen Irrigator im Haus hab ...

 

Das ganze hat einigermaßen geholfen! 

 

Wolfgang hat mir etwas von der Zechenseife in warmen Wasser aufgelöst und ich hab das dann in den Irrigatorbeutel gekippt.

Leider hat er nicht gehört, als ich ihn bat, das er mir doch dabei hilft. 

Irgendwie war wohl die Unheimliche Begegnung der dritten Art wohl zu spannend - und passend.

Es ist arg unbequem, wenn man sich den Einlauf selber macht, weil ich leider nicht mehr ganz so locker in den Hüften bin, wenn man sich schräg nach hinten beugen muss, um dann die Einfüllhülse einzuführen. Normalerweise geht das ganz locker im Stehen, ein Bein hoch gestellt, leicht nach vorne gebeugt und dann "Hinein Hein".

Mit diesem Bauch vorne dran ging das natürlich nicht so wirklich gut. Selbst mit etwas Gleitmittel war es echt eine Quälerei.

Und als mir dann auch noch der Schlauch von dem Irrigator abging und sich 1 Liter Seifenlauge auf dem Toilettenboden verteilte, bin ich ein wenig explodiert,  habe erst einmal den riesigen Stapel von Büchern und Comics wutentbrannt mit den Füssen aus dem Klo gekickt, damit sie nicht nass werden. Nun ja - bücken ist halt ziemlich unbequem zur Zeit.

Danach bin ich dann Wolfgang erst einmal um die Ohren geflogen, weil es mich total angekotzt hat, das er irgendwie nur im Bett lag, seinen Film glotzte und mir zwar ständig sagt, dass er "Multitaskingfähig" sei, aber trotzdem immer nur die Hälfte von dem mitbekommt, was ich ihm sage :-(

Und nein - seine Hilfe wollte ich dann auch nicht mehr haben.

Ich stand dann also auf dem Klo, hab es irgendwie unter einigem Aua geschafft mir den ersten Einlauf zu verpassen, kniff die Pobacken zusammen und grummelte vor mich hin.

"Wie soll er nur die Geburt überleben, wenn es dort nicht einmal einen Fernseher im Kreissaal gibt?" und überhaupt "Wie soll er Dir da helfen, wenn er jetzt schon keine Hilfestellung ist?"

Und weil ich eh gerade stinkig war, ärgerte ich mich gleich noch darüber, dass er die Matratze noch nicht in Bochum bei WABS abgeholt hat, der Laden ist ja immerhin gut 500 Meter von seiner Schule weg. Und der Rasenmäher muss immer noch in den Golf gehoben werden, weil das Messer unten ausgetauscht werden muss. Alleine bekomme ich das Teil mit Benzin-Motor aber nicht angehoben :-( und der Laden ist von uns daheim gut 600-700 Meter weg und hat halt nachmittags nur bis 17 Uhr auf.

*Grummel*

Verstopfung schlägt sich bei mir halt immer auf die Laune nieder ...

 

Neuer Tag - neues Glück ...

 

 

09.05.2001 (ET + 4)

Langsam stelle ich mir die Frage, ob ich einfach nur unsensibel bin oder ob sich meine Umwelt deutlich mehr Sorgen darum macht, dass sich der Klein-Jahns nicht an den Liefertermin hält, als ich das zur Zeit mache?

Wieso soll ich mich eigentlich so drängeln lassen? Klar wäre ich irgendwie froh, wenn das langsam mal vorbei wäre, aber solange es dem Kind doch noch wirklich gut in mir geht?

Wolfgang nennt mir immer mal wieder einen Termin, damit ich ihn mit der Geburt vor einer Klausur rette. Zur Abwechslung meinte er gestern dann mal "Bitte nicht am Freitag Morgen. Da muss ich einen dringenden Vortrag halten!"

Sogar meine Mutter hat in den letzten beiden Tagen angerufen und gefragt, was denn nun sei. Ungewöhnlich ist das für mich, aber es freut mich doch, da ich denke, dass sie sich irgendwie doch auf ihren Enkel freut.

 

In den letzten Tagen  habe ich mich wieder in einen Kieslaster verwandelt. Wenn ich es ja nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass ich mega rollig bin, bin ich aber nicht. Zumindest nicht mehr oder weniger rollig als sonst auch ;-)

 

Ich trinke wieder sehr viel Flüssigkeit. Gestern bin ich locker mal auf 4 Liter gekommen, das meiste davon war Wasser. Apropos Wasser - die Ödeme in den Unterarmen und Beinen werden auch nicht weniger. Im Gegenteil, langsam komme ich mir wie ein wandelndes Wasser-Reservat vor. Leider kann ich  meinem Körper wohl nicht plausibel machen, dass ich nicht vorhabe mich in den nächsten Tagen für einige Zeit in der Sahara aufzuhalten und das ich auch kein Kamel bin ... oder vielleicht doch? Immerhin hab ich ja schon 2 Höcker - bzw. wenn ich den Bauch mitzähle 3 :-)

Am besten halte ich es mit dem alten Spruch "Think positive". Mir fällt nur gerade nichts positives dazu ein Wasseransammlungen im Körper zu  haben. Hmmm - ich könnte es mir vielleicht mit »In ein paar Tagen ist das alles wieder weg« schön reden.

Ich überlege fast ein wenig ernsthaft es mir auf dem Klo gemütlich zu machen. Bei 4 Litern Flüssigkeit am Tag kann man sich vielleicht vorstellen, wie oft ich dorthin "sprinte". 

 

Heute morgen war ich dann noch mal im Nagelstudio und hab mir eine nette Maniküre verpassen lassen. Danach hat dann der Rasenmäher-Mann den Rasenmäher abgeholt. 

Frank rief heute morgen an und bot mir sogar seine Hilfe an, das Teil in den Golf zu wuchten, fand ich richtig lieb :-)

 

Das Gehen fällt mir immer schwerer, muss wohl daran liegen, das mein Becken nun wirklich ziemlich geweitet ist. Nun watschele ich nicht mehr, sondern tapse eher wie ein Bär auf Socken durch die Gegend. Muss ausgesprochen lustig sein, weil ich  halt so von links nach rechts "schwanke" beim Gehen.

Längeres Gehen ist auch nicht wirklich prickelnd, weil dann der Druck auf den Beckenboden massiv zu nimmt und mir sowieso das ganze Becken schmerzt.

 

Ich bin heute bestimmt zwanzig Mal die Treppen rauf und runter gekeucht. Nun weiß endlich, was es wirklich heißt "Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen".

 

Die SM rief heute Nachmittag noch mal an und fragte, was denn nu ist. 's ist halt immer noch nix. Daran kann ich ja nu auch so erst einmal nichts ändern.

Für den Fall eines Falles, das es denn nu doch los gehen sollte, würde ich sie schon anrufen - und sei es, dass sie mich zur Klinik bringen kann.

 

Wolfgang hat heute "Mittagschicht" - der unheimlich lange SAP Lehrgang dauert immerhin 2 Tage und fing heute um 13:30 Uhr an und geht dafür bis 22:00 Uhr. Total Banane. 

 

Ich versuche mich zu entspannen - aber so richtig klappt das nicht. 

Schauen wir mal, ob mir gleich das Bad besser bekommt.

 

Ich habe Wolfgang dieser Tage gesagt, das ich stinksauer sein werde, wenn er in meinen Augen unnötig Geld verballert nach der Geburt von dem Kleinen.

Für mich wäre es absolut unnötig, wenn er auf einmal mit einem riesigen Strauß Baccara Rosen im Zimmer stünde, Tonnen von Geld für Schmuck ausgeben würde oder eine riesige Anzeige in die Zeitung packen würde.

 

Ich bin einfach nicht der Schmuck-Mensch so. Ich freue mich zwar unheimlich darüber, aber ich vergesse schlicht und ergreifend so etwas dann auch mal anzuziehen. 

Biggi sagte mir mal vor einiger Zeit, das ich wohl die einzige Frau sei, die sie kennt, die so etwas vergessen könne. Und damit hat sie wohl auch Recht.

Manchmal hole ich mir die Sachen aus dem Tresor, schau sie mir an, freue mich über den Anblick und lege sie dann zurück. Ich möchte so etwas halt auch nicht verlieren.

 

 

10.05.2001 (ET + 5)

Ich habe mir gestern Abend ein Glas aufs Klo gestellt, damit ich dort morgens gleich meinen ersten Urin drin abfangen kann. Und dann werden wir gleich bei der Ärztin mal sehen, ob da noch Eiweiß drin zu finden ist, oder eher nicht.

Mein Blutdruck war in den letzten Tagen immer so um die 140/80. 

 

Gestern das Essen vom China-Mann mit reichlich Sambal Olek zur Frühlingsrolle, das hat gewirkt :-)

Am liebsten hätte ich diese Nacht auf dem Klo fröhlich vor mich hin gesungen "Damit man Abflussfrei - das macht den Abfluss frei" - die musikalische Untermalung durch den Frosch hätte ich dabei laut und deutlich gehabt. 

Nun habe ich endlich nicht mehr das Gefühl von Blähungen oder Verstopfung.

 

Seit gestern Nachmittag habe ich ein fast gleichmäßiges Ziehen im Rücken. Fast so als ob meine Regel kommen würde. Aber es ist halt anders als bei den Senkwehen. Ich habe nachmittags noch mal die Kliniktasche aus, um und neu eingeräumt. Man könnte meinen, ich hab PMS - sprich Pmenstruales Syndrom.

 

Tja - leider war in dem Urin dann doch Eiweiß drin, und mein Blutdruck war auch wieder so kurz vor 150/80. Die Wassereinlagerungen sind stärker geworden.

Aber beim CTG waren die Herztöne des Kindes  zwar nicht regelmäßig zu lokalisieren, weil er wieder mal tobte wie blöd. Aber die Herztöne, die aufgezeichnet wurden, waren alle sehr gleichmäßig. Wehen waren natürlich keine zu sehen.

Frau Nitsche-Wellbrock sagte mir dann noch, das ich mich auf ein Kind um die 3,5 Kilogramm gefasst machen solle. "Also was kleines und zierliches wird das bestimmt nicht. Sie sind ja auch beide nicht gerade kleine Menschen, wieso sollte da Ihr Kind klein sein?"

 

Man hat mir Blut abgenommen, damit man das auf den Verdacht der Gestose untersuchen kann.

Nun habe ich eine Überweisung in der Tasche, auf der steht:

rechnerische Übertragung, Ödeme, art. Hypertonie, Verdacht auf Gestose.

 

Als ich Heim kam, hab ich erst mal was geheult. Ich will keine Probleme haben! Aber da hilft auch kein aufstampfen mit den Füssen.

Erst einmal ganz langsam wieder zur Ruhe kommen.

 

Danach habe ich dann in Herdecke im Hebammenzimmer angerufen und die sagten mir, dass ich erst einmal zur Ruhe kommen soll und dann am Nachmittag oder so vorbei kommen soll. Zum einen kann ich dann einen Teil der Ergebnisse schon einmal von der Ärztin mitbekommen und dann kann man immer noch sehen, ob ich dann dableiben soll oder wieder heim kann. Deshalb soll ich dann schon einmal mein Täschchen mitbringen, für den Fall, das ich da bleiben soll/darf/muss.

Die Hebamme hat mir dann aber noch mal gesagt, das es keinen Grund für Unruhe gibt, weil es dem Kind ja in mir gut geht.

 

Habe danach erst einmal in aller Ruhe mit den zukünftigen Omas gesprochen, damit die schon mal Bescheid wissen und sich auch hoffentlich nicht zu große Sorgen machen. Aber wahrscheinlich ist das sowieso nur ein frommer Wunsch von mir. Ich kann mir doch ein wenig vorstellen, dass die beiden Mädels innerlich ganz schön rotieren.

 

Frank kommt noch mal auf ein Käffchen rum und wir fachsimpeln noch etwas über Einläufe ;-)

Ein Bekannter von ihm ist Pfleger auf einer Intensivstation und machte Einläufe immer mit Milch und Honig. Und wir haben dann versucht zu ergründen warum wohl ausgerechnet in der Mischung. Es könnte wohl einfach daran liegen, das der Honig sich ggf. um die Darmwand legt, so dass die Darmflora nicht zu sehr angegriffen wird und die Milch und die Milchbakterien sind auch eher angenehm, als z.B. etwas eher aggressives wie Salz.

 

Wolfgang rief an, er ist zur Zeit mit der Schule bei der Firma Hella in Recklinghausen. Ich habe ihm dann versucht möglichst nett zu sagen, dass wir heute Nachmittag bzw. Abend in die Klinik fahren werden. Und habe ihm auch erst einmal nicht erklärt, das der alte Ausdruck für Gestose eher Schwangerschaftsvergiftung ist. Ich hab bei dem Gespräch mit der SM schon gemerkt, dass sie auf dieses Wort eher verschreckt reagierte. Vergiftung hört sich halt nicht so ganz vertrauenserweckend an, dass muss ich ja zu geben. 

Ich habe ihm gesagt, das kein Grund für Panik bestünde, denn ich hätte auch keine. Er solle ganz in Ruhe warten, bis das Gedöns in der Fabrik vorbei sein und dann in aller Ruhe heim kommen.

 

Er hat natürlich nicht auf mich gehört, und es ist nun gleich halb 1 und wir fahren jetzt in die Klinik ...

 

Wir konnten natürlich nicht auf einen Teil der Laborergebnisse warten. Daher wurde ich im Krankenhaus also noch einmal ans CTG angeschlossen, es wurde mir noch einmal Blut abgenommen, um das Blut auf das HELLP Syndrom zu untersuchen, der Blutdruck wurde auch noch mal gemessen.

 

Sicherheitshalber sollte ich dann dort bleiben - obwohl ich das partout nicht wollte. Ich sehe halt irgendwo keinen Sinn darin, im Krankenhaus zu liegen, damit mir jemand ein paar Mal am Tag den Blutdruck misst und mir ein paar Medikamente hinstellt, die ich auch daheim alleine nehmen kann.

 

Ich kam wieder auf das gleiche Zimmer und dort lag bereits eine Frau mit vorzeitigen Wehen in der 33.  SSW. Wenigstens kann man sich mit ihr nett unterhalten.

 

 

11.05.2001 (ET + 6)

Der Blutdruck bleibt stabil zwischen 130/140 :70/85, das Ergebnis des  HELLP-Labor ist auch unauffällig, meine Wassereinlagerungen sind so geblieben, wie sie waren und dem Kind geht es laut CTG blendend. Und ich fühl mich ganz gut und weiß nicht, was ich noch im Krankenhaus soll. 

Mit der Ärztin vereinbare ich dann, dass ich morgen noch einmal vorbei komme und das dann ein Wehenbelastungstest gemacht wird.

Bei so einem Wehenbelastungstest werden Wehen hervor gerufen durch die Eingabe eines Medikamentes und man sieht dann, wie das Kind auf den Stress der Wehen reagiert. Aus dem Ergebnis kann man dann schließen, wann man die Geburt dann einleitet.

Die Einleitung wird dann mit Prostaglandin Gel erfolgen. Die Ärztin meinte allerdings, dass ich dann doch noch etwas Zeit mitbringen solle - das ganze könne dann immer noch 1 - 3 Tage dauern.

Ich hab ihr darauf gesagt, das das nichts machen würde, ich hätte eh gerade nichts anderes zu tun ;-)

 

Eine witzige Unterhaltung hatte ich noch mit Heike, einer der Hebammen in Herdecke. Sie fragte mich, ob ich zufällig wissen würde, wie schwer ich bei der Geburt gewesen sei. Darüber hatte ich mich ein paar Tage vorher mit meiner Mutter noch unterhalten und sie hatte mir gesagt, das ich mit 52cm und etwas über 4.200 Gramm doch eine Wuchtbrumme gewesen sei. Mein Bruder hatte im Gegensatz dazu "nur" 3.500 Gramm.

Die Hebamme tastete kurz meinen Bauch ab und sagte dann fröhlich grinsend "Ja, und Sie bekommen auch nicht gerade was Kleines." Als ich sie fragte, wie sie denn darauf käme, erzählte sie mir, dass sie halt mit ihrer Kollegin gesprochen habe und man sich über meinen doch etwas arg großen Bauch gewundert habe. 

 

Irgendwie hatte ich mir gedacht, das Wolfgang alles in allem ein wenig anders reagiert. Das einzige was ihn heute interessierte war erst einmal der Vortrag, den er heute als Gruppenarbeit, halten musste, zwischendurch wurde ich dann auch mal kurz gefragt, was mit mir sei.

Ich hatte irgendwo einfach erwartet, das ich mit etwas weniger Distanz "begrüßt" werde.

 

 

zurück oder weiter 

 

© Christa Keil, 2000-2001, Herne

 

 

 

 

 

 

 
 
c